Icebreaker Merinofarm in Neuseeland

3. März 2015 


Unser Besuch der Icebreaker Merinofarm in Neuseeland

Die Icebreaker Merinofarm in Neuseeland liegt am idyllischen Lake Wakatipu im Süden Neuseelands. Hier spiegeln sich die Gegensätze. Auf der einen Uferseite befindet sich mit Queenstown die Abenteuerhauptstadt der Welt. Vom Downhill-Biken übers Paragliden, Bungeejumpen, Wandern, Stand-Up Paddlen bis hin zum Shotoverjetboot fahren, hier ist alles möglich was das Abenteuerherz begehrt. Bis zu 2,5 Millionen Besucher verzeichnet das 20000-Einwohner Städtchen jährlich.

Nur ca. 20 km entfernt auf der anderen Uferseite geht es hingegen deutlich beschaulicher und ruhiger zu. Hier befindet sich die Mt. Nicholas Station, eine der größten und ältesten Merinofarmen Neuseelands, welche ihre feine Merinowolle ausschließlich für Icebreaker produziert.

Auf genau diese Farm wurden wir von Icebreaker eingeladen um während unseres Neuseelandurlaubes zwei tolle und sehr interessante Tage zu verbringen.


 

Allein schon die Anreise zur Farm ist etwas Besonderes. Obwohl nur ca. 20km Luftlinie von Queenstown entfernt wäre mit dem Auto eine knapp 200km lange Fahrt zu bewältigen. Die Mt. Nicholas Station liegt komplett abgeschieden am Westufer des Lake Wakatipu und ist deshalb deutlich einfacher per Fähre oder Helikopter zu erreichen. Von Queenstown aus werden deshalb auf zwei verschiedenen Fähren mehrmals täglich Überfahrten zur Farm angeboten. Man kann sich entscheiden zwischen einer Fahrt mit dem wunderschönen alten Dampfschiff „TSS Earnslaw“ oder dem modernen Katamaran „Spirit of Queenstown“. Bei der zweiten Variante wird zudem die Mt. Nicholas Experience angeboten, eine geführte Tour über die Mt. Nicholas Station. Dabei kann man hinter die Kulissen einer Merinofarm schauen und bekommt einen Einblick in den Werdegänge von der feinen Merinowolle bis hin zum fertigen Icebreaker-Produkt.

 

Wie zuvor schon erwähnt ist die Mt. Nicholas Station einer der größten und ältesten Merinofarmen Neuseelands.

Aus diesem Grund kurz etwas zur Geschichte der Farm.

Im Jahr 1857 erreichte David McKeller als wahrscheinlich erster Europäer mit einem Ochsenkarren über den Landweg den heutigen Nicholas Sattel. Aber anstatt Anspruch auf dieses Land zu erheben erzählte er den beiden australischen Brüdern John& Frank Hamiliton davon, die das Landstück 1860 an die Gebrüder White verkauften. Die beiden folgten derselben Route wie zuvor McKeller, aber statt über den Sattel zum See zu gelangen blieben sie zu weit westlich und gelangten zur unüberwindbaren tiefen Schlucht am Ende des Von Valleys. Sie mussten ihre Ochsenkarren demontieren und ins Tal hinuntergleiten lassen und nach dem Wiederzusammenbau erreichten sie bald die heutige „Old Nic“ genannte Gegend, an der sie sich entschlossen niederzulassen und ihr Haus zu bauen. Trotz den sehr schwierigen Transportmöglichkeiten errichteten die beiden Brüder ein recht ansehnliches Anwesen mit 10 Räumen und zwei großen Verandas. Das heute noch sichtbare Stein-Cottage wurde als Küche und Unterkunft für den Koch verwendet. In den folgenden Jahren wurde die Infrastruktur verbessert. Da der Landweg sehr beschwerlich war wurde der Zugang zum See verbessert und Wollschuppen in der White Bay angelegt, dem heutigen Standort der Mt. Nicholas Station. Per Schiff wurde nun neben der Wolle auch das Fleisch der Schafe und Rinder ans andere Ufer transportiert. 1874 verkauften die White Brothers nach etlichen Schwierigkeiten die Farm und so folgten mehrere Besitzer, bis 1904 der Besitzer des nahegelegenen Walter Peak Run, Hugh McKenzie die Farm übernahm. Unter seiner Regie nahm die Farm langsam die heutige Gestalt an. Tausende Bäume wurden gepflanzt, unzählige Kilometer Zäune errichtet und der Schafbestand auf bis zu 40.000 Tieren erhöht. Das alte Anwesen wurde abgerissen und an der heutigen Stelle am Ufer des Lake Wakatipu neu errichtet. Nach seinem Tod 1933 wurde die Farm bis 1948 von seiner Familie weitergeführt und über die nachfolgende Hunt Familie wurde die Farm 1976 an die heutigen Besitzer, die Familie Butson, weiterverkauft.

 

Die heutige Mt. Nicholas Station besteht aus einem 40.000 Hektar großen Grundstück welches sich neben gut 15km Länge am Seeufer bis zu 45km ins Landeinnere erstreckt. Es ist Heimat von 30.000 Merinoschafen und 2.500 Hereford-Rindern. Die Station wird mittlerweile in zweiter Generation von Tochter Kate und Ehemann Jack geführt, die Eltern Robert und Linda leben ebenso noch auf der Farm wie Sohn Dave mit seiner Lebenspartnerin Regina.

Daneben sind noch 2 Schafhirten und ein Gehilfe auf der Farm fest beschäftigt.

Da auch das touristische Interesse an der Farm im Laufe der Jahre immer mehr zunahm wurde vor ein paar Jahren ein kleines Häuschen direkt am Ufer errichtet, welches von dem Pärchen Bruce Collins und Adrienne McNatty betreut wird.

Genau dieses sehr modern ausgestattete Häuschen, die sogenannte White´s Bay Cabin ist unsere Bleibe während unseres Farmbesuchs. Wunderschöne Ausblicke sind von hier garantiert. Auch bei der Ausstattung wurde an alles gedacht was den Aufenthalt so angenehm wie möglich macht. Im Wohnzimmer lädt ein Kachelofen zu romantischen Nächten ein, das große Badezimmer mit Dusche und das Schlafzimmer mit großem Bett runden das Ambiente toll ab. Auf der privaten Veranda mit Blick auf den See und die Berge kann man bei einem schönen Buch die Ruhe genießen oder sich in einer am Ufer angebrachten Badewanne, die über dem offenen Feuer erwärmt wird, entspannen.

Für das leibliche Wohl wird von Bruce und Adrienne gesorgt. Neben einem leckeren Frühstück und einem genauso delikaten Mittagessen gibt es zum Abendessen ein überragendes Dreigänge Menü, wobei man sich jeweils aussuchen kann ob man das Mahl auf der Veranda der Cabin oder in der netten Gesellschaft der Hosts einnehmen will.

Man kann sich auf der Farm seinen Tag so gestalten wie man es am liebsten möchte, denn bei der Buchung der White´s Bay Cabin stehen auch eine ganze Menge an kostenlosen Aktivitäten zur Auswahl. Man kann zu Fuß oder mit dem Mountainbike die riesige Farm auf eigenen Wegen erkunden oder auch die Gipfel der nahegelegenen Berge wie dem Mt. Nicholas erklimmen und von dort oben die atemberaubende Aussicht genießen. Ebenso ist es möglich sich die Farm von Bruce mit bei einer Jeep-Tour zeigen zu lassen oder wenn man es ruhiger mag ist es auch möglich am See die Angel auszuwerfen und das Abendessen selbst zu angeln. Auch kann man sich eins der Kajaks schnappen und das Seeufer auf eigene Faust erkunden.

Wem dies nicht genügen sollte, der kann auch zwischen etlichen weiteren, allerdings kostenpflichtigen Angeboten aussuchen. Vom Fliegenfischen in den bekannten „Von and Oreti Rivers“ übers betreute Hirschjagen bis hin zu geführten Berg- und Wandertouren oder geführten Ausritten zu Pferd, die Farm bietet sehr viele Möglichkeiten seinen Tag interessant zu gestalten. Da Dave, der Sohn der Familie, von Beruf Helikopterpilot ist, besteht zudem die Möglichkeit den etwas weiter entfernten wunderschönen Milford Sound oder den Fjordland Nationalpark zu besuchen oder sich per Heli in die Berge zu geführten Wanderungen oder im Winter zum Heliskiing fliegen zu lassen. Sollte man trotz all dem Angebot weitere Wünsche zur Gestaltung seines Aufenthaltes haben, so werden Bruce, Adrienne und Regina versuchen diese bestmöglich zu erfüllen.

Auch können auf der Farm wunderschöne Hochzeiten durchgeführt werden, das Team der Mt. Nicholas Station ist auch hier darauf bedacht den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten.

Bei unserer Ankunft auf der Station wurden wir von Regina herzlichst auf Deutsch empfangen. Regina hat vor gut 5 Jahren beim Backpacken in Australien Dave kennen und lieben gelernt und ist von Freising nach Neuseeland zu ihm auf die Farm ausgewandert. Schnell merken wir dass sie sich hier pudelwohl fühlt, obwohl das Leben hier doch komplett anders ist als zuhause in Deutschland. Da Bruce und Adrienne an diesem Tag verhindert sind kümmert sie sich um uns und bringt uns in unsere wunderschöne Cabin. Den Nachmittag verbringen wir damit die Umgebung der Station mit dem Bike zu erkunden, man muss schon sagen dass sich Hugh McKenzie damals ein wunderschönes Fleckchen Erde für seine Farm ausgesucht hat. Das Abendessen verbringen wir dann bei Regina zu Hause, und bei leckerem Salat mit Hummer als Vorspeise, Hirschrückenfilet mit Erbsenpüree und Kartoffelgratin zum Hauptgang und einer leckeren Apfel-Rhabarbernachspeise wird es schnell ein sehr gemütlicher und interessanter Abend.

Nach einer sehr erholsamen Nacht geht es am nächsten Morgen nach einem leckeren Frühstück bei Bruce und Adrienne an die weitere Erkundung der Farm.

Dazu geht es gemeinsam mit Bruce zunächst in die Scheranlage, wo erst 3 Wochen zuvor die komplette Herde geschoren wurde. Dazu werden 6 professionelle Schafscherer hinzugezogen, die täglich jeweils bis zu 220 Schafe am Tag scheren. Die gewonnene Merinowolle wird gleich in dieser Halle in große Säcke gepresst und für den Weitertransport hergerichtet.

Neben dem jährlichen großen Scheren werden die Tiere zudem vor dem Winter dem „scratching“ unterzogen. Dabei wird ihnen die Wolle am Kopf, den Beinen und dem Hintern geschnitten um so ein Verfilzen der Wolle zu verhindern. Bei dieser Aktion wird zudem bei den Jungtieren der Schwanz abgebunden, der dann im Laufe der Zeit abfällt, die Geschlechter markiert und ihnen ein Flohmittel auf den Rücken aufgetragen. Bis zu 3500 Tiere werden dabei pro Tag behandelt.

Während der warmen Jahreszeiten können sich die Tiere frei auf den großen weiten Berghängen bewegen. Merinoschafe sind sehr gute Kletterer und verbringen interessanterweise die Nächte immer auf den Gipfeln der Hügel und Berge, am Tag steigen sie dann zum fressen wieder ab. Da dies im Winter durch den Schnee oft gefährlich werden kann werden sie Anfang Mai, also gegen Herbstende in Neuseeland, von den Schafhirten mit ihren Hunden ins Tal getrieben. Manchmal ist dazu auch der Einsatz des Helikopters notwendig.

Um den Bestand der Farm konstant um die 30.000 Tiere zu halten ist ein ausgeklügeltes System notwendig. Da die älteren Tiere neben der Wollherstellung auch für die Fleischproduktion verwendet werden, müssen diese mit Jungtieren aufgefüllt werden. Diese Jungtiere, die sogenannten Hoggads, werden zunächst ein Jahr im Flachland gehalten bevor sie im zweiten Jahr ebenfalls in die Berge gelassen werden.

Neben den Schafen werden auch der Farm auch noch 2500 Hereford-Rinder zur Fleischproduktion gehalten.

Mit dem Jeep erkunden wir nach der Scherstation nun zusammen mit Bruce das riesige Grundstück der Mt. Nicholas Station. So erfahren wir unter anderem dass sich die Station komplett selbst versorgen kann. Ein eigenes kleines Wasserkraftwerk sorgt für die notwendige Elektrizität, das Holz wird aus den eigenen Wäldern gewonnen, das benötigte Fleisch kommt aus der eigenen Schlachtung, neben den eigenen Schafen und Rindern leben auch viele Hirsche und Rehe auf der Farm und werden je nach Bedarf geschossen. Das Obst und Gemüse kommt aus dem eigenen riesigen Garten und der See und die Flüsse sind reich an Fischen.

Auch machen wir einen Abstecher zum alten Stein-Cottage „Old Nic“ an dem die Anfänge der Farm liegen. Dieses Cottage wurde wieder wunderbar hergerichtet war mittlerweile auch schon für Hochzeitsnächte gebucht worden.

Zurück in der Station gibt es dann noch ein gemeinsames Mittagessen, frisches Merinoschaf und Hirschrücken vom Grill bevor wir schweren Herzens wieder mit der „Spirit of Queenstown“ zurück nach Queenstown fahren.

 

Fazit der Reise zur Icebreaker Merinofarm in Neuseeland:

Wir möchten uns recht herzlich bei Icebreaker und vor allem bei Regina, Bruce und Adrienne für zwei wunderschöne und sehr informative Tage auf der Mt. Nicholas Station bedanken.

Wir können jedem nur einen Besuch auf dieser tollen Farm empfehlen, sei es zum Relaxen, für spannende Abenteuer oder auch einfach nur um wirklich sehr nette Leute kennen zu lernen.

Auch lohnt sich der Tagesausflug „Mt. Nicholas Experience“ mit der „Spirit of Queenstown“ für diejenigen, die auch einmal einen Einblick in das Farmleben auch einer Merinofarm erhalten wollen.










Mehr Artikel
30 Jahre ABS: Feiern und gewinnen! ABS Lawinenairbag Hersteller feiert 30 jähriges Jubiläum. Nach einem zögerlichen Winterstart und einer kritischen Lawinensituation...